Die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbstständigenverbände (BAGSV) hat bei ihrer jährlichen Vollversammlung am 24. März 2026 in Berlin über laufende politische Initiativen, gemeinsame Positionen und neue regulatorische Entwicklungen beraten. Für den BVBC nahm Geschäftsführer Kenan Häberle teil.
Die BAGSV ist ein Zusammenschluss zahlreicher Verbände, die die Interessen von Selbstständigen gegenüber Politik und Öffentlichkeit vertreten. Der BVBC gehört zu ihren Gründungsmitgliedern und bringt sich regelmäßig in die fachliche und politische Arbeit ein. Die diesjährige Vollversammlung fand am 24. März in Berlin in den Räumlichkeiten des Bundesverbands der Freien Musikschulen (bdfm) statt, die der Verband erneut dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hatte.
Im Mittelpunkt des Treffens standen Berichte über politische Gespräche und Stellungnahmen der letzten Monate, aktuelle Entwicklungen in der Altersvorsorge sowie die weiterhin drängenden Themen Statusfeststellungsverfahren, Scheinselbstständigkeit und EU-Plattformarbeit.
Politische Arbeit mit breiter Themenpalette
Bereits in der ersten Tageshälfte ging es um bisherige Termine im Namen der BAGSV, um anstehende Gespräche sowie um vorbereitete Stellungnahmen. Dazu gehört auch die Positionierung zur privaten Altersvorsorge, die der BVBC mitgezeichnet hat.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte noch während der Versammlung eine aktuelle politische Einigung: Die Koalition will Selbstständige in die geplante neue staatlich geförderte private Altersvorsorge einbeziehen. Das war eine zentrale Forderung der BAGSV. Medienberichte über die Einigung sprechen von einem neuen Vorsorgedepot als Nachfolgemodell zur Riester-Rente, das ausdrücklich auch für Selbstständige offenstehen soll.
Daneben blieb ein Thema besonders präsent, das viele Selbstständige seit Jahren unmittelbar betrifft: das Statusfeststellungsverfahren. Aus Sicht der Verbände schafft es weiterhin erhebliche Rechtsunsicherheit. Auftraggeber hielten deshalb Aufträge teilweise zurück oder vergäben sie gar nicht erst. Diese Problemlage war auch Gegenstand eines Gesprächs von Jörn Freynick für die BAGSV und Dr. Andreas Lutz vom VGSD mit Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas am 13. März. Dabei bestand Einigkeit darüber, dass es Verbesserungen für Selbstständige braucht.
Sprecherwahl mit Dank an Jan-Peter Wahlmann
Auch personelle Fragen standen auf der Tagesordnung. Zur neuen Sprecherin der BAGSV wurde Elvira Iannone, politische Geschäftsführerin des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ), für drei Jahre gewählt.
Zugleich richteten die Teilnehmenden ihren Dank an Jan-Peter Wahlmann von der Allianz Deutscher Designer (AGD), der das Sprecheramt im vergangenen Jahr ausgefüllt hatte. Gewürdigt wurde dabei nicht nur seine Arbeit in dieser Funktion, sondern auch sein langjähriges intensives Engagement in der BAGSV, insbesondere für die Interessen der Kultur- und Kreativbranche.
Gemeinsam mit Jörn Freynick, Generalsekretär der BAGSV, und Marcus Pohl, erstem Vorsitzenden der Interessengemeinschaft der selbständigen DienstleisterInnen in der Veranstaltungswirtschaft (isdv), die im Vorjahr für drei bzw. zwei Jahre als Sprecher gewählt wurden, arbeitet die BAGSV damit weiterhin in einem rollierenden Sprechersystem.
Plattformrichtlinie rückt näher
In der zweiten Tageshälfte ging es um ein Thema, das für viele Selbstständige und Verbände zunehmend an Bedeutung gewinnt: die Umsetzung der EU-Plattformarbeitsrichtlinie in deutsches Recht. Darüber sprach die BAGSV in Berlin mit Robert Räuchle, Referatsleiter D2 im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, der gemeinsam mit einer Referentin an dem Austausch teilnahm.
Räuchle erläuterte die Hintergründe des Vorhabens und machte deutlich, dass Deutschland die europäische Richtlinie nun umsetzen müsse. Tatsächlich ist die Richtlinie (EU) 2024/2831 seit Ende 2024 in Kraft; die Mitgliedstaaten müssen die erforderlichen nationalen Vorschriften bis zum 2. Dezember 2026 erlassen.
Für die BAGSV ist das Thema auch deshalb relevant, weil der Begriff der „Plattform“ in der praktischen Anwendung aus Verbändesicht noch nicht trennscharf genug ist. Damit besteht die Sorge, dass am Ende auch selbstständige Tätigkeiten oder Vermittlungskonstellationen erfasst werden könnten, die vom ursprünglichen Regelungsziel gar nicht im Blick waren.
Hinzu kommt: Deutschland hatte in der entscheidenden Phase auf europäischer Ebene wegen interner Unstimmigkeiten in der damaligen Ampelkoalition nur begrenzten Einfluss auf den Prozess. Berichte aus dem Frühjahr 2024 zeigen, dass Deutschland sich bei Abstimmungen wegen Koalitionsdifferenzen der Stimme enthielt. Räuchle machte deutlich, dass Deutschland daher seine Gestaltungsmöglichkeiten nur eingeschränkt nutzen konnte.
Gemeinsame Interessen über Branchen hinweg
Gerade in dieser thematischen Breite wurde in Berlin erneut deutlich, worin die besondere Stärke der BAGSV liegt: In der Arbeitsgemeinschaft arbeiten sehr unterschiedliche Mitgliedsverbände zusammen, die aus verschiedenen beruflichen Perspektiven auf politische Vorhaben blicken, bei Grundsatzfragen für Selbstständige aber häufig ähnliche Anliegen haben.
„Für die politische Arbeit ist es ein großer Vorteil, wenn Probleme nicht nur aus einer einzelnen Branche geschildert werden, sondern aus ganz unterschiedlichen beruflichen Zusammenhängen“, erklärt BVBC-Geschäftsführer Kenan Häberle, der für den BVBC vor Ort war. „Das macht sichtbar, wo es sich tatsächlich um strukturelle Fragen handelt, die Selbstständige insgesamt betreffen.“
Die Vollversammlung in Berlin zeigte einmal mehr, dass die BAGSV nicht nur als Netzwerk, sondern auch als politische Arbeitsplattform an Bedeutung gewinnt. Die Themen reichen von Altersvorsorge über Statusfeststellung bis hin zu europäischer Regulierung. Für die Mitgliedsverbände geht es dabei nicht um abstrakte Debatten, sondern um ganz konkrete Rahmenbedingungen für selbstständige Tätigkeit.
Gerade deshalb bleibt der enge Austausch innerhalb der BAGSV wichtig: weil viele Herausforderungen branchenspezifisch beginnen, am Ende aber weit über einzelne Berufsgruppen hinausreichen.




