Eine Rentenversicherungspflicht für Selbstständige darf nicht zu unverhältnismäßigen Belastungen, zusätzlicher Bürokratie und neuer Rechtsunsicherheit führen. Der BVBC fordert deshalb gemeinsam mit 23 weiteren Verbänden der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbstständigenverbände (BAGSV) eine wirtschaftlich tragfähige und praxistaugliche Reform.
Die Alterssicherungskommission (ASK) empfiehlt, künftig auch Selbstständige verpflichtend in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Als Mitglied der BAGSV hat der BVBC an einer gemeinsamen Stellungnahme mitgewirkt, die am 6. August 2026 an Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas und die Mitglieder der Kommission übermittelt wurde; darin machen die beteiligten Verbände deutlich: Eine Rentenversicherungspflicht darf nicht isoliert eingeführt werden. Sie muss mit fairen Beiträgen, einer rechtssicheren Statusfeststellung, bürokratiearmen Verfahren und dem Schutz bestehender Vorsorgelösungen verbunden sein.
Bereits bei der Bewertung des Reformpakets der Koalition vom 2. Juli 2026 hatte der BVBC davor gewarnt, politische Entlastungen durch steigende Sozialabgaben oder neue Unsicherheiten wieder aufzuzehren; die Empfehlungen der Alterssicherungskommission zeigen nun konkret, welche zusätzlichen Belastungen für Selbstständige entstehen könnten, wenn die wirtschaftliche Realität ihrer Tätigkeit nicht ausreichend berücksichtigt wird.
Beiträge müssen wirtschaftlich tragfähig sein
Eine verlässliche Altersvorsorge ist grundsätzlich ein nachvollziehbares Ziel, entscheidend ist jedoch die konkrete Ausgestaltung. Selbstständige tragen ihre Sozialversicherungsbeiträge vollständig selbst. Ihre Einnahmen können erheblich schwanken, zugleich haben viele bereits eigene Vorsorgelösungen aufgebaut. Die Belastung darf deshalb nicht höher ausfallen als die von vergleichbaren Beschäftigten einschließlich des Arbeitgeberanteils. Besonders Gründungen, nebenberufliche Tätigkeiten und Geschäftsmodelle mit unregelmäßigen Einnahmen dürfen nicht durch starre Mindest- oder Regelbeiträge überfordert werden.
Die BAGSV-Mitgliedsverbände fordern deshalb unter anderem, die tatsächliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit stärker zu berücksichtigen und Selbstständige in der Gründungsphase gezielt zu entlasten.
Statusfeststellung braucht klare Kriterien
Eine Reform der Altersvorsorge muss zugleich mit einer wirksamen Reform der Statusfeststellung verbunden werden; eine neue Versicherungspflicht darf nicht dazu führen, dass Selbstständigen nachträglich ihr Status aberkannt wird oder Auftraggebende aus Sorge vor späteren Nachforderungen auf eine Zusammenarbeit verzichten. Gerade selbstständige Finance-Fachkräfte sowie Interimskräfte und Dozierende arbeiten häufig projektbezogen oder längerfristig für einzelne (kleinere) Auftraggebende – Sie benötigen klare und praxistaugliche Kriterien, die allen Beteiligten verlässliche Entscheidungen ermöglichen.
Bestehende Vorsorge und Wahlmöglichkeiten schützen
Für bereits Selbstständige sieht die Alterssicherungskommission ein voraussetzungsloses Opt-out vor – aus Sicht der BAGSV-Mitgliedsverbände ist es jedoch unnötig, diese Personengruppe zunächst formal in die Versicherungspflicht einzubeziehen, nur damit sie sich anschließend wieder davon befreien lassen muss. Der BVBC unterstützt deshalb eine einfache und unbürokratische Wahlmöglichkeit – bestehende Vorsorgelösungen und langfristige finanzielle Verpflichtungen müssen geschützt werden. Auch die Verwaltungsverfahren müssen besser aufeinander abgestimmt werden. Einkommensdaten sollten nicht mehrfach bei Finanzämtern, Krankenkassen und Rentenversicherung eingereicht werden müssen. Rückwirkende Nachforderungen dürfen zudem nicht zu erheblichen Liquiditätsproblemen führen.
Der BVBC bringt die Praxis in die Debatte ein
Die geplante Reform betrifft unmittelbar die wirtschaftliche Realität vieler selbstständiger BVBC-Mitglieder. Fachkräfte im Rechnungswesen und Controlling erleben in ihrer täglichen Arbeit, welche Folgen unklare Bemessungsgrundlagen, rückwirkende Forderungen und nicht abgestimmte Verfahren haben können. Diese Praxiserfahrung bringt der BVBC über die BAGSV in die politische Diskussion ein. Eine Rentenversicherungspflicht kann nur funktionieren, wenn sie wirtschaftlich tragfähig, rechtssicher und praktisch umsetzbar ausgestaltet wird.
Die vollständige Stellungnahme der BAGSV-Verbände steht hier zum Download bereit.

